Eröffnung COUNTERPOINTS II Kunst im Park 2018 am 27. Mai, 14.00 Uhr - Fortsetzung von Kunst im Park mit Arbeiten von Edith Dekyndt und Ines Doujak, die den Raum von seiner historischen Bedeutung hin zu globalen Fragestellungen erweitern.

COUNTERPOINTS II Kunst im Park 2018

Eröffnung COUNTERPOINTS II Kunst im Park 2018 am 27. Mai, 14.00 Uhr - Fortsetzung von Kunst im Park mit Arbeiten von Edith Dekyndt und Ines Doujak, die den Raum von seiner historischen Bedeutung hin zu globalen Fragestellungen erweitern.

COUNTERPOINTS II – Kunst im Park 2018

Der 300 Jahre alte, 31 Hektar große Park des Schlosses Grafenegg wurde in den letzten zehn Jahren mit einem Musikprogramm und der permanenten Skulpturenausstellung »Kunst im Park« zu einer Kunst- und Kulturlandschaft der Gegenwart weiter entwickelt. Mittlerweile fügen sich acht Skulpturen-Projekte und die expressive Architektur der Freilichtbühne »Wolkenturm« in eine beeindruckende Baum- und Pflanzensammlung ein, die im Stil eines Englischen Landschaftsgartens angelegt wurde. Generalthema für die Skulpturen im Park ist eine kritische Auseinandersetzung mit Inszenierung und Repräsentation als tradierte Rollen der Kunst. Im Frühjahr 2017 bekam diese Kunstlandschaft Gesellschaft von drei temporären Interventionen, drei weitere folgen nun 2018. Zusammengefasst unter dem Titel »COUNTERPOINTS« sind die Projekte keinem gemeinsamen Thema verpflichtet.

Der Begriff des Kontrapunkts bezeichnet in der Musik eine Kompositionstechnik, Gegenstimmen zu Tonfolgen zu erfinden, die sowohl einen Zusammenklang ergeben als auch eine Eigenständigkeit in Rhythmus, Form und Anordnung aufweisen. In diesem Sinne bilden die temporären Installationen Kontrapunkte zur Parkanlage mit Schloss, Auditorium oder Freilichtbühne. Sie greifen Fragmente des Ortes, dessen Funktion oder Geschichte auf und erweitern das historische Bezugsfeld des englischen Gartens hin zu globalen Diskursen der Gegenwart. Die für den Ort konzipierte Klangskulptur der Formation Britschgi/ Eberle/ Reissner/ Stickney wird am 27. Mai im Schlosspark aufgeführt.

 

Temporäre Projekte im Schlosspark Grafenegg von Edith Dekyndt und Ines Doujak

Klangskulptur von Britschgi/Eberle/Reissner/Stickney


Sonntag,
27. Mai 2018
14.00 Uhr

 

Performance: Edith Dekyndt

Ort: Schlosswiese bzw. Wege um die Schlosswiese

Zugang für Besucher: Die Performance ist vom Vorplatz Auditorium sichtbar

Dauer: etwa 20 Minuten


Es sprechen:
Paul Gessl, Geschäftsführer Grafenegg Kulturbetriebsges.m.b.H.
Cornelia Offergeld, Kuratorin NNN NNN in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

 

Shuttlebus ab 15 TeilnehmerInnen nach Grafenegg, ab Wien zwischen Universität und Rathauspark.

Abfahrt: 12.30 Uhr, Rückfahrt: ca. 17.00 Uhr
Um Anmeldung wird gebeten bis 24. Mai 2018 unter +43 (0)2742 9005 13504 oder publicart@noel.gv.at.

 

Details zu den Werken

Britschgi/ Eberle/ Reissner/ Stickney (CH /A/ I/ USA) „Harmomnemonics“

 

Die Klangskulptur „Harmomnemonics“ wurde speziell für COUNTERPOINTS II entwickelt. Vor dem Hintergrund des im Stil der englischen Schlössergotik im 19. Jahrhundert um- und ausgebauten Schlosses und dem romantischen Landschaftsgarten collagieren und konstruieren die MusikerInnen, schichten, verschachteln und erweitern. Durch die Entwicklung von Pattern (harmonisch oder rhythmisch wiederkehrende Strukturen), Loops (unverändert wiederholte Sequenzen) und dem Sampeln (Weiterentwicklungen von vorhandenen musikalischen Sequenzen) legen sie tiefer liegende Schichten musikalischer Phänomene frei und machen deren strukturelle Bedingungen sichtbar. „Harmomnemonics“ ist eine musikalische Untersuchung von Strukturen und Wiederholung, von Gleichklang und ständiger Veränderung

Der Titel setzt sich aus „Mnemonic“ (von dem griechischen „Gedächtnis“ abgeleiteter englischer Begriff für „Gedächtnisstütze“) und dem Begriff der Harmonie im Sinne der symmetrischen Verbindung von Tönen zusammen. In unterschiedlichen Fragmenten entstehen Kontrapunkte zur bestehenden Schlossanlage, zu den Kunstprojekten wie innerhalb der eigenen Komposition von skulpturaler Qualität.

„Harmomnemonics“ wird am 27. Mai im Schlosspark als ephemere Klangskulptur mit elektronischen und akustischen Instrumenten aufgeführt. Sie hinterlässt eine Spur in Form des temporär im Schloss aufgestellten Partitur-Struktur-Fragments „Tearable Graphic Score“, das die interaktiven Prozesse der Komposition abbildet.

 

Roman Britschgi (CH): Kontrabass

Christian Eberle (A): Drums und Glockenspiel

Jörg Reissner (I): Gitarre und Sequenzer

Pamelia Stickney (USA): Theremin und Cello

 

 

Edith Dekyndt (B)

„BULLY  MISSY  QUEENY  TIPSY  BENJI  TEDDY“

In aller Gelassenheit spaziert ein junger Mann während der Festivalzeit regelmäßig durch den Park. Drei Drohnen begleiten ihn und filmen den Spaziergang. Die Filme sind über den Tag verteilt auf dem Bildschirm im Foyer des Auditoriums zu sehen. Edith Dekyndt lässt mit der Inszenierung die sechs Hunde, die auf dem kleinen Hundefriedhof im Park um die Skulptur eines Spaniels herum begraben sind und die zu ihren Lebzeiten den Park belebten, wieder auferstehen. Sie projiziert die Wesen der Hunde in Form von kleinen Robotern, die in der Luft wie drollige flanierende Tiere anmuten, ins 21. Jahrhundert.

Dabei greift die Künstlerin, ihrem Interesse an den Mysterien des Alltags entsprechend, eine mündlich überliefert Geschichte auf, der zufolge der für Grafenegg zuständige Kommandant Schukowskij während der sowjetischen Besatzung (1945-1955) den englischen Park in eine Agraranlage umwandeln wollte. Es sei seine Frau mit ihrer Liebe zu ihrem Hund und zu den Spaziergängen mit diesem im Park gewesen, die den Plan durchkreuzt hätten. Sollte der Schlosspark wirklich durch Frau Schukowskaja gerettet worden sein, fragt sich Dekyndt als aufmerksame Beobachterin und Erforscherin von alltäglichen Prozessen und lässt die Geschichte aus einer Zeit, von der alle schriftlichen Belege zerstört sind, durch einen geheimnisvollen flanierende Protagonisten wie eine Art Novelle nacherzählen und dabei die malerischen Qualitäten des Parks als begehbares natürliches Landschaftsgemälde in zeitliche Abläufe übersetzen.

 

Die Spaziergänge finden an Konzerttagen zwischen 18:30 und 19 Uhr statt.

 

Ines Doujak  (A)

Ein Naturlehrpfad zum Thema LANDGRABBING / LANDRAUB / LANDNAHME

Ines Doujak führt mit einer Art Lehrpfad stationsartig durch das Gelände des Schlossparks. Auf circa 40 an Bäumen befestigten Tafeln sind unterschiedliche alte Apfelsorte zu sehen. Über die Abbildungen sind Originalzitate von „Landgrabbern“ gelegt, die die weltweit explodierende Enteignung und Vertreibung von ländlichen Armen auf der ganzen Welt insbesondere durch Konzerne, Staaten oder Investoren zwischen 1603 und 2017 thematisieren. Von 2001 bis 2010 etwa wechselten rund 230 Millionen Hektar Ackerland in Ländern des Globalen Südens den Besitzer - mit verheerenden Folgen, alleine für die Ernährung der lokalen Bevölkerung. Die Zitate werden in einer Fußnote kommentiert und kontextualisiert. Die historischen, zum Teil nicht mehr existenten Apfelsorten auf den Plakaten verweisen auf eine Dimension des Landraubs in Form von Zerstörung der Artenvielfalt durch Monokulturen.

„In der Landfrage verknüpfen sich die zentralen „Bereiche“ der gesellschaftlichen Naturverhältnisse wie Ernährung, Mobilität, Wohnen, Energie. Die Arbeit beschreibt, dass Landgrabbing kein neues Phänomen, sondern vielmehr eine historisch spezifische Ausprägung eines Prozesses, indem die gesellschaftliche Nutzung von Natur untrennbar mit kolonialen und post-kolonialen Verhältnissen von Macht, Herrschaft und Ausbeutung verknüpft ist. Der Zugang zu Land und die Kontrolle darüber sind Ausdruck dieses Prozesses, und nicht erst das Ergebnis von globalen Nahrungsmittelpreiskrisen, Klima- und Finanzkrisen.“ (Ines Doujak)

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