Ryan Wigglesworth: «Klang kreieren bedeutet, Ausdruck zu finden.»

Composer in Residence Ryan Wigglesworth versteht Musik als Form der Kommunikation.

Jeder Composer in Residence hinterlässt Spuren in Grafenegg – nicht nur weil er einen Komponistenbaum im Schlosspark pflanzt, sondern weil viele der Fanfaren und Uraufführungen über Jahre hinweg nachhallen. Die Phalanx der Grafenegg- Tonsetzer ist prominent. Unter anderen haben Krzysztof Penderecki, HK Gruber, Tan Dun, Jörg Widmann und Matthias Pintscher in Grafenegg an ihren Werken getüftelt und sie hier gemeinsam mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich vorgestellt. Sie haben während des Festivals am Soundtrack unserer Zeit gebastelt.

Dieses Jahr kommt der Brite Ryan Wigglesworth nach Grafenegg. Er wird die Fanfare zur Festivaleröffnung komponieren, das Tonkünstler-Orchester dirigieren und eine von Grafenegg in Auftrag gegebene Uraufführung vorstellen. Schon als Chorknabe war Wigglesworth bewusst, dass die Musik sein Ausdrucksmittel ist. «Bereits als kleiner Junge war mir klar, dass das Produzieren von Klängen für mich eine Sprache bedeutet.» Später wurde er an der legendären Oxford University ausgebildet und besuchte die Guildhall School of Music and Drama.

Wigglesworth, der auch ein ausgezeichneter Pianist ist, tritt als Dirigent mit großen Orchestern wie dem BBC Symphony Orchestra, der Birmingham Contemporary Music Group oder dem London Philharmonic Orchestra auf und setzt sich immer wieder für die Werke von Zeitgenossen wie Harrison Birtwistle, Oliver Knussen oder Elliott Carter ein. Seine eigenen Kompositionen, etwa das Orchesterstück «Sternenfall» oder sein Violinkonzert, werden regelmäßig von großen Orchestern aufgeführt – seine bislang einzige Oper, «The Winter’s Tale» nach Shakespeare, hatte 2017 an der English National Opera Premiere.

Ryan Wigglesworth kennt die Musik der Renaissance, der Klassik und der Moderne. Sie hat ihn geprägt, und er musiziert stets im Bewusstsein um die Vergangenheit, um Neues zu schaffen. Besonders gern bezieht er sich auf seinen Landsmann Benjamin Britten. Anders als viele Kollegen schreibt Wigglesworth keine elektronische Musik, da er die Kraft und die Natürlichkeit von Orchestern liebt. «Oft sind hundert unterschiedliche Individuen vereint, um demselben Ziel zu dienen», sagt er, «und diese Emotion begeistert mich jedes Mal aufs Neue.»

Wenn er am Dirigentenpult steht, macht Wigglesworth keinen Unterschied zwischen Komponist und Dirigent. «Man kann diese Aufgaben nicht voneinander trennen», sagt er, «ich dirigiere immer auch als Komponist. Denn in erster Linie bin ich ja Komponist, das habe ich mir nicht ausgesucht – ich bin es einfach vom Naturell her. Und alles, was ich erlebe, fließt irgendwie in meine Existenz als Komponist ein, auch meine Arbeit als Dirigent.»

In Grafenegg wird sich Wigglesworth nicht nur dem Publikum als Dirigent der Tonkünstler vorstellen, sondern intensiv mit jungen Komponistinnen und Komponisten im Workshop INK STILL WET  zusammenarbeiten und mit ihnen das Dirigat der Uraufführung ihrer eigenen Werke erarbeiten. Auch weil er davon überzeugt ist, «dass es der Musik gut tut, wenn Komponisten als Dirigenten arbeiten und Dirigenten als Komponisten – denn so lernt man auf beiden Seiten etwas für beide Metiers, die so eng miteinander zusammenhängen».

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