Toshio Hosokawa: Composer in Residence 2021

Mit der Natur eins zu werden, das Ich mit der Natur zu verschmelzen: Mit seinem Kunstideal steht Toshio Hosokawa in einer langen japanischen Tradition der Verbundenheit von Natur und Mensch. Als perfekten Ort für seine Musik sieht er einen Platz im Wald, wo Vogelgesang und Windgeräusche unversehens Teil der Aufführung werden können. Grafenegg, so ist zu vermuten, könnte mit seinem idyllischen Schlosspark seinen Vorstellungen ziemlich nahe kommen.


Es ist aber nicht die Idylle per se, die im Zentrum von Hosokawas Beschäftigung mit der Natur steht. Vielmehr interessiert ihn das ambivalente Verhältnis des Menschen mit der Natur, das in seinem Heimatland von der schmerzhaften Erfahrung mit Katastrophen geprägt ist. Am stärksten hat sich der Komponist mehrerer Bühnenwerke mit diesem Thema wohl in seinem Stück «Erdbeben.Träume» beschäftigt, das 2018 am Opernhaus Stuttgart uraufgeführt wurde. Zwei Jahre zuvor zeigte die Hamburger Staatsoper seine Auseinandersetzung mit der Fukushima-Katastrophe «Stilles Meer».


Das zweite große Spannungsfeld in Hosokawas musikalischem Schaffen liegt zwischen westlicher Avantgarde und traditioneller japanischer Kultur. Prägend waren für den 1955 in Hiroshima geborenen Komponisten seine Studienjahre in Berlin, wo er einerseits mit den europäischen Strömungen der zeitgenössischen Musik in Berührung kam, andererseits Mut schöpfte, sich aus der Ferne intensiv mit seiner japanischen Identität auseinanderzusetzen. Spätestens ab dem Erfolg seines 2001 uraufgeführten Oratoriums «Voiceless Voice in Hiroshima» wird seine behutsame Klangsprache an der Schnittstelle von Ost und West international sehr geschätzt. Orchester wie die Berliner und Wiener Philharmoniker haben seine Werke genauso aus der Taufe gehoben wie die wichtigsten Klangkörper Asiens. Für Rudolf Buchbinders Projekt «Diabelli 2020» steuerte Hosokawa im Beethoven-Jahr die Variation «Verlust» bei.
Als Composer in Residence des Grafenegg Festival wird Hosokawa eine Fanfare für die Eröffnung sowie ein Violinkonzert schreiben, das am 20. August seine österreichische Erstaufführung erleben wird.


Solistin des Auftragswerks des Grafenegg Festival, des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg, der Hong Kong Sinfonietta, des NHK Symphony Orchestra Tokyo, des Hiroshima Symphony Orchestra und des Prager Rundfunk-Sinfonieorchesters ist die deutsche Geigenvirtuosin Veronika Eberle.

In einem Interview spekulierte Toshio Hosokawa einmal, was er wohl geworden wäre, wenn es ihn nicht unter die Komponisten verschlagen hätte. «Eine Sopranistin vielleicht, die wunderbar Mozart singen kann», mutmaßte er lächelnd, «oder eine Nachtigall.» Ob als Sängerin, Singvogel oder doch lieber Komponist: Herzlich willkommen in Grafenegg, Toshio Hosokawa!

Aufführungsdaten der Co-commissioning Partner des Violinkonzerts von Toshio Hosokawa

-    Philharmonisches Staatorchester Hamburg (Uraufführung) 25./26 April 2021
-    Hong Kong Sinfonietta (Asiatische EA) 22. Mai 2021
-    NHK Symphony Orchestra Tokyo (Japanische EA) 26./27. Mai 2021
-    Hiroshima Symphony Orchestra (Hiroshima EA) 30. Mai 2021
-    Prager Rundfunk-Sinfonieorchester (SOČR) (Tschechische EA) 14. Juni 2021
-    Grafenegg Festival (Österreichische EA) 20. August 2021

 

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