Peter Ruzicka: Composer in Residence

Der Mann, der hinter die Grenzen horcht

Composer in Residence 2019

Für Peter Ruzicka scheint die Musik erst dort besonders spannend zu werden, wo das Weltliche endet, wo die Begriffe zum Klang werden, wo das Leben transzendiert, wo die Koordinaten dessen, was wir Wirklichkeit nennen, zu verschwimmen beginnen. Kein Wunder, dass einer wie er besonders durch das Werk von Paul Celan geprägt ist, diesem Dichter, für den das Wort immer auch Klang und Rhythmus war und eine Möglichkeit, das Unaussprechliche zu fassen. Als Komponist sucht Ruzicka diese Räume der Auflösung, die Klänge, die hinter den weltlichen Grenzen liegen. Ruzicka, ein Schüler von Hans Werner Henze, ist ein leidenschaftlicher Seelensucher. Seine großen Opern drehen sich um Paul Celan oder Friedrich Hölderlin. Ruzicka kennt die Vergangenheit der Musik und nutzt sie als Inspiration für das Neue: Gustav Mahler, Anton Webern oder Henze sind seine großen Idole, mit deren Material er spielerisch und leichtfüßig umgeht.

Und auch als Dirigent ist Ruzicka ein Musiker, der das Geheimnisvolle sucht, etwa bei Gustav Mahler. Seine eigenen Werke, wie «Metamorphosen », «Nachtstücke» oder «Flucht», wurden von großen Orchestern wie den Berliner Philharmonikern, den Münchner Philharmonikern oder der Staatskapelle Dresden uraufgeführt, und er selbst dirigiert die wichtigsten Ensembles der Welt.

Aber Peter Ruzicka hat es nie gefallen, im Elfenbeinturm des Klangs zu hocken, zu groß seine Leidenschaft, auch als Musikmanager zum Fürsprecher der Klassik und des Neuen Klangs zu werden, u. a. als Intendant der Salzburger Festspiele und später der Salzburger Osterfestspiele. Außerdem war der studierte Rechtswissenschaftler und Professor an der Hamburger Musikhochschule viele Jahre Leiter der Hamburgischen Staatsoper und als Nachfolger von Henze Leiter der Münchener Biennale für neues Musiktheater.
Wenn er in Grafenegg nun als Composer in Residence auftritt, bedient er alle Sparten, die besonders für den Nachwuchs spannend sind: Traditionsbewusstsein, unendliche Kreativität, musikalisches Handwerk und das Wissen um den Musikmarkt.

Mit nach Grafenegg bringt der viel beschäftigte Komponist eine Fanfare zur Festivaleröffnung und ein eigenes Werk, das am Wolkenturm uraufgeführt wird. Das Publikum darf sich auf einen Musiker freuen, dem Grenzen fremd zu sein scheinen. Oder wie er selbst es formuliert: «Mich interessieren Grenzüberschreitungen und musikalische Zweisprachigkeit, der Wechsel zwischen der gegenwärtigen und der irrealen Ausdrucksform.» Und dann schiebt er noch hinterher: «Das mag theoretisch klingen, aber in der Musik wird dieser Gedanke hoffentlich zu einer spürbaren Erfahrung.»

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