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Elke Krystufek: Wall of Silence

Während Marjetica Potrč den Blick auf das Schloss in ihr Werk integriert und mit der Sichtachse arbeitet, macht Elke Krystufek das Gegenteil

Ausführung: Arch. Klaus Fessl

Temporäre Arbeit (bis 2011)

Während Marjetica Potrč den Blick auf das Schloss in ihr Werk integriert und mit der Sichtachse arbeitet, macht Elke Krystufek das Gegenteil: «The wall of silence with the door to the best kept secret» ist der poetische Titel dieser Arbeit. Ein schmaler Kiesweg führt zu einer kleinen Tür in einer 16 Meter langen, 4 Meter hohen und 30 Zentimeter dicken Stahlbetonwand, die auf beiden Seiten mit Graffiti bemalt ist.«Mrs. Dr. Freude says», steht über die ganze Wand geschrieben, «außer der Sexualitätsstörung gibt es bei manchen Männern auch die Geldstörung.» Mit analytischem Blick fängt Krystufek auf der klaren, minimalistischen Skulptur das institutionelle Feld ein, das sie in Grafenegg, und in der Welt generell, vorfindet: Der Park ist für sie nicht nur eine Wohlfühlzone, sondern eine Zone der Bedrohung und der Gewalt – und für Frauen eine Angstzone. Die Wand wird als Störfaktor in die Parkidylle eingezogen.

Das Schlossgebäude, dem sich Krystufek in den Weg stellt, ist Beweis für die Hegemonie politischer, wirtschaftlicher, religiöser, kultureller – selbstverständlich männlicher – Akteure. Sigmund Freud, der den Feministinnen ja immer schon verdächtig gewesen ist, fehlt ebenso wenig wie die Fragen, die im öffentlichen Raum so anstehen: Sozialgefälle, Machtverhältnisse und Erotikzonen.

Elke Krystufeks Raumeroberung geht über den rein technischen Blick hinaus: Ihr Raum ist immer ein kontextuell gedachter Raum, ein Raum, der ohne seinen kulturellen Hintergrund nicht existiert, ein Raum, der durch die kritische Sicht auf jene Kunst- und Alltagskultur entsteht, die durch die Geschlechterpositionen strukturell geprägt ist. Es entstehen Erfahrungsbereiche, in denen Kunst nicht isoliert, sondern als Bestandteil des Lebens wahrgenommen werden kann.

Über die Künstlerin

*Elke Krystufek studierte von 1988 bis 1992 an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Arnulf Rainer Malerei und unterrichtete dort von 2005 bis 2006. Sie behandelt auf exhibitionistische und voyeuristische Weise Themen wie Sexualität bzw. den Umgang mit Körper, Körperlichkeit und der Repräsentation des Selbst. In einer postmodernen Variation des Siebzigerjahre-Slogans «Das Private ist politisch» wird ihr Lebensumfeld, Fotos und Filme ihrer Kindheit, ihre Beziehungen, ihre Wohnung u. a. zum Material ihrer Arbeit. Die konsequente Umsetzung erfolgt in so unterschiedlichen Medien wie Video, Zeichnung, Collage, Malerei, Installationen und Performances.

Die Arbeiten von Elke Krystufek waren unter anderem im Centre Pompidou in Paris (1995) sowie in der Wiener Secession (1997), in der BAWAG Foundation in Wien (2004) sowie im MAK Wien (2007) und der Camera Austria (2009) zu sehen. Dieses Jahr sind ihre Arbeiten im Österreich Pavillon bei der Venedig Biennale vertreten.