Composer in Residence 2024

Enno Poppe

© Beatrice Schreiner

Enno Poppe, Composer in Residence des Grafenegg Festival 2024, ist einer der originellsten Komponisten unserer Zeit, seine Tonsprache von hohem Wiedererkennungswert: Wie unter dem Mikroskop betrachtet Poppe seine musikalischen Materialien, entdeckt ihren Reichtum, lauscht ihnen ihren Eigensinn ab und entwickelt aus ihnen komplexe, aber stets fassliche Klangwelten.

Portrait Enno Poppe

© Grafenegg

Komponistenbaum

Eine Vielzahl an zum Teil exotischen Baumarten prägt den historischen Landschaftsgarten von Grafenegg. Seit 2007 kommt im Rahmen des Festivals alljährlich ein neuer Baum hinzu, der vom jeweiligen Composer in Residence gepflanzt wird. 

Komponistenbaum

© Grafenegg
Komponistenbaum Enno Poppe

Herbstbirne / Winterbirne

von Ewald Baringer

Er müsse noch darüber nachdenken und kenne sich gar nicht so gut aus mit Bäumen, meinte Enno Poppe, Composer in Residence 2024, im kurzen Trailer auf grafenegg.com zur Frage, welchen Komponistenbaum er denn auswählen würde. Schließlich ist er doch fündig geworden: «Ich fände einen Birnbaum ganz fantastisch, sehr schön, und gut riechend.» 

Ästhetik und Wohlgeruch sind überzeugende Kriterien. Davon abgesehen lockt die Frage, was Birnen und Musik miteinander zu tun hätten. Eine ganze Menge, wie sich herausstellt. Zum Beispiel: Die Verbindung zwischen Mundstück und Röhre bei Klarinette und Bassetthorn wird Birne genannt. Aus dem Holz des Birnbaums, das sehr dicht und hart ist, werden nicht nur Blockflöten hergestellt, sondern auch Geigenschnecken. Und der exzentrische Erik Satie komponierte (angeblich als Reaktion auf Debussys Vorwurf mangelnder Form) im Jahr 1903 «Trois Morceaux en forme de poire» (Drei Stücke in Birnenform) für Klavier zu vier Händen – ein durchaus ironisch gemeinter Titel, bedeutet doch das französische Wort «poire» sowohl «Birne» als auch «Trottel».

Nun ist die musikalische Verwandtschaft zwischen Satie und Poppe nicht auf den ersten Blick evident. Eine Gemeinsamkeit könnte in der originellen Titelgebung der Werke Poppes liegen, meist kurz, einsilbig und auf Strukturen, Natur und Material bezogen: «Wald», «Holz», «Äste», «Laub», «Gold» oder «Obst». In einem Interview mit Alexander Moore gibt sich Poppe diesbezüglich bedeckt: «Eine Regel für die Titel habe ich nicht, ich möchte sie aber auch nicht gerne erklären. Die Assoziationen mit der Musik stehen im Mittelpunkt, dabei ist der Titel ja nur ein Angebot.» Vielleicht erscheint ja in absehbarer Zeit ein neues Werk Poppes mit dem Titel «Birne». 

Die Kunstgeschichte ist reich an Birnendarstellungen, von Giovanni Bellinis kurios anmutender «Madonna mit Birne» bis zu den «Drei Birnen» von Paul Cézanne. In Österreich schaffte es die Birne - allerdings in verwesendem Zustand - im Jahr 1986 sogar auf eine von Walter Schmögner gestaltete Briefmarke. Und die Literatur? Ältere Semester erinnern sich vielleicht an Theodor Fontanes Gedicht «Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland» (1889), das Eingang in die Schul-Lesebücher fand und in dem es ganz zentral um einen Birnbaum geht. Und Nobelpreisträger Peter Handke berichtet in seinem «Versuch über den Stillen Ort» (2012) über den speziellen Botengang eines Kindes: «Herr Pfarrer, ich soll sie grüßen von meinen Eltern, mit diesen Birnen vom Scheißhausbaum!»

Da wirkt die legendäre «Birne Helene» allerdings vornehmer. Weltweit gibt es übrigens tausende Birnensorten, in den Handel kommen nur fünf bis zehn. Warum dem so ist, wird wohl ebenso wenig zu klären sein wie die Frage, warum man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen soll. Der Komponisten-Birnbaum von Enno Poppe trägt jedenfalls Herbst-/Winterbirnen namens Alexander Lucas. Mögen seine Früchte duften und köstlich schmecken!

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