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Im Cottage mit Mollena Lee Williams-Haas

Grafenegg Podcast
Georg Friedrich Haas & Mollena Lee Williams-Haas

Published: 7 July 2026

Grafenegg Podcast

At the Cottage with Mollena Lee Williams-Haas

Special Episode in English

On July 18, 2026, Austrian composer Georg Friedrich Haas and his wife, Mollena Lee Williams-Haas, will take center stage at the Grafenegg Academy. On this extraordinary concert day in Grafenegg, the world premieres of the second and third parts of Georg Friedrich Haas’s «Hyena» trilogy – works commissioned by Grafenegg and, in some cases, even composed there – will take place. In the «Hyena» trilogy, Mollena Lee Williams-Haas tells a multifaceted story – in a powerful and captivating way – of her life-threatening alcohol addiction and her journey back to a life worth living today.

In this special episode of the Grafenegg Podcast, the storytelling performer Mollena Lee Williams-Haas talks at the cottage in Grafenegg: In the first part, she shares autobiographical stories; in the second part, which begins after about 20 minutes, she offers insights into, among other things, a dark chapter of her life that ultimately led to the «Hyena» cycle.

Design and Production: Markus Hennerfeind

Georg Friedrich Haas and Mollena Lee Williams-Haas
Georg Friedrich Haas und Mollena Lee Williams-Haas © Beatrice Schreiner
Georg Friedrich Haas
Georg Friedrich Haas © Lukas Beck

Mollena Lee Williams-Haas

Autobiografische Sprachnotiz

Meine Eltern lernten sich kennen, als meine Mutter vielleicht 18, 19 Jahre alt war und mein Vater 21 oder 22. Er war gerade aus dem Vietnamkrieg zurückgekommen, meine Mutter studierte Design. Sie haben sich über die allererste Partnervermittlung kennengelernt, die es in New York gab – damals im Jahr 1968. Sie wurde schwanger, und sie beschlossen, zu heiraten. So bin ich dann auf die Welt gekommen. Wir lebten in New York. Wenn man sich ein bisschen mit der Geschichte Amerikas auskennt, weiß man, dass die 1970er und 80er Jahre in New York zu den schlimmsten Zeiten gehörten – wirtschaftlich, politisch, was die Kriminalität angeht – einfach nur schlimm. Es war ein schreckliches, schmutziges Chaos.

Als ich etwa vier Jahre alt war, nahm mein Vater mich und meine Mutter mit zu einer Aufführung des Musicals «Hair» in der Originalbesetzung, ich erinnere mich an Bruchstücke. Sie haben eine Vierjährige mit in «Hair» genommen! (lacht). Bei dem berühmten Finale, als alle nackt und mit Farbe und Blumen bedeckt herumtanzten, sagte ich zu meinen Eltern: «Das werde ich auch machen: Ich werde Schauspielerin!» «Ja, klar», ließen sie mich träumen. Ich hatte zu lesen begonnen, als ich etwa drei Jahre alt war. Die Leute sagten: «Nein, das gibt’s doch nicht!» Ich erinnere mich, wie ich auf dem Schreibtisch meiner Mutter saß und die «New York Times» las, die größer war als ich – meine Mutter musste mir helfen, sie festzuhalten. Und ich las einen Artikel über Präsident Nixon. Die Bürokollegen meiner Mutter standen da und schauten mich an. Plötzlich sagte jemand: «Na gut, aber versteht sie überhaupt, was sie da liest?» Als ob es nicht schon genug wäre, dass ich die Wörter tatsächlich lesen konnte! Und ich sah sie an und sagte: «Das bedeutet, dass Präsident Nixon ein Idiot ist!» Alle waren total aus dem Häuschen. Eine Kollegin meiner Mutter empfahl mich einer Agentin, die Leute für Werbespots, Film und Fernsehen engagierte. Und so hatte ich innerhalb eines Jahres eine Agentin, ging zu Castings und drehte Werbespots. Ich war sechs Jahre alt, hatte etwa ein Jahr Schule hinter mir. Und ich liebte es, mehr als alles andere. Es wurde zu einem unverzichtbaren Teil des Lebens meiner Familie. Da die Beziehung meiner Eltern turbulent verlief, floss das Geld, das ich verdiente, in den Unterhalt der Familie, nicht in mein Studium, nicht in meine Zukunft.

Eine Schule für Hochbegabte

Ich besuchte eine Schule für hochbegabte Kinder, eine, für die man nichts bezahlen musste, also höchst ungewöhnlich für eine gute Ausbildung. Ich blieb dort vom Kindergarten bis zur 12. Klasse, mit lauter anderen sehr speziellen Kindern. Wir waren alle seltsam und konnten nur dort überleben. Das war einer der Gründe, warum ich für diese Schule so dankbar bin. Später kam ich an die New York University, um Theater zu studieren, was ich dank Hochbegabten-Stipendien auch konnte. Doch leider beschloss Präsident Ronald Reagan, sie zu streichen, weil sie speziell für schwarze Kinder gedacht waren. Die Begabung spielte keine Rolle mehr, weil die Reagan-Regierung entschied: «Na ja, das ist den Weißen gegenüber nicht fair, oder?» Ich dachte mir: «Na ja, die Sklaverei war uns gegenüber auch nicht fair.»

Also musste ich die Schule abbrechen. Zumindest hatte ich das Glück, wieder auf die Beine zu kommen. Und so arbeitete ich für das New York Shakespeare Festival. Mein damaliger Partner war im Filmgeschäft tätig, und er meinte: «Ich muss nach Hollywood.» Also haben wir unsere Sachen gepackt und sind nach Los Angeles gezogen. Ich hatte dort keinen Erfolg, also dachte ich mir: «Okay, dann mache ich eben Theater.» Also habe ich in kleineren regionalen Theatern mitgespielt und tagsüber bei einer Bank gearbeitet. Und nach ein paar Jahren bin ich nach San Francisco gezogen.

Online-Dating

Ich war dort sehr einsam. Also fing ich mit Online-Dating an. Der erste Typ, den ich so kennenlernte, nahm mich mit zu einer Theateraufführung. Und im Programmheft lag eine Broschüre für einen Storytelling-Kurs. Ich erkenne sehr oft Muster in meinem Leben. Und das war einer der Momente, in denen mir klar wurde, dass diese Abfolge von Ereignissen dazu diente, mich hierher zu bringen. Es ging nicht um dieses Date, es ging nicht um diesen Typen. Es ging darum, diese Broschüre für den Storytelling-Kurs zu sehen und zu wissen: «Das ist es!» Und in diesem Storytelling-Kurs lernte ich eine Frau kennen, die gerade dabei war, ihre eigene Theatergruppe zu gründen. Und so rief sie mich etwa sechs Monate, nachdem wir diesen Kurs gemeinsam besucht hatten, an und sagte: «Ich möchte, dass du Teil meiner Gruppe wirst.» Und daraus wurde schließlich die Crowded Fire Theater Company. Sie besteht bis heute. Ich war Gründungsmitglied und 15 Jahre dabei. Bei Crowded Fire habe ich meine erste Solo-Show aufgeführt. Das erste Mal stand ich ganz allein auf der Bühne und präsentierte autobiografisches Material, und die erste Show, die ich aufführte, hieß «69 Stories, One Pervert’s Tale». Darin ging es um BDSM und Kink, die Bay Area ist natürlich eine Hochburg dafür. Ich hatte mich in diese Welt begeben, und so viele Leute waren so neugierig darauf. Damals gab es noch keine Website, auf die man die Leute verweisen konnte.

Zu diesem Zeitpunkt war ich schon ziemlich lange bei Crowded Fire. Ich war zu einer Person mit größerer Sichtbarkeit in der Kink- und Leder-Community geworden, habe Aufklärungsarbeit geleistet und bin buchstäblich um die ganze (englischsprachige) Welt gereist. Ich wurde zum Beispiel nach Schweden eingeladen, nach Australien, Deutschland, Frankreich, Spanien, Kanada – einfach überall, um über Kink zu sprechen. Und als Geschichtenerzählerin und Performerin machte das meinen Unterricht für die Leute so nachvollziehbar. Anstatt also einfach nur eine trockene Liste von Fakten aufzuzählen, sagte ich: «Lasst mich euch eine Geschichte erzählen. Lasst mich euch von diesem einen Mal erzählen.» Und dann waren die Leute einfach wie gebannt. Und so konnte ich diese Dinge miteinander verbinden und sagen: «Wow. Als Performerin und Geschichtenerzählerin mit dieser Lebenserfahrung kann ich mit euch über wirklich beängstigende Dinge sprechen, aber ihr werdet keine Angst haben, weil es nur eine Geschichte ist. Ihr hört mir einfach zu, wie ich darüber rede, also müsst ihr euch keine Sorgen machen. Und wenn ich euch erzähle, wie sehr ich Spanking mag, dann könnt ihr da sitzen und denken: ‹Oh, na ja, vielleicht bin ich gar nicht so seltsam. Vielleicht ist das ja in Ordnung.›»

Ein Österreicher

Eine Zeit lang habe ich versucht, das als Vollzeitjob zu machen. Ich arbeitete als Managerin für eine Reihe von Kink- und BDSM-Websites. Dabei verdiente ich eine Unmenge Geld. Denn zu diesem Zeitpunkt herrschte ja der «.com-Boom». Ich war schuldenfrei und dachte mir plötzlich: «Ich muss zurück nach New York.» Es war dieses Bauchgefühl, unbedingt nach Hause zu müssen. Die ersten Jahre zurück verbrachte ich damit, meine Ersparnisse aufzubrauchen. Ich musste wieder einen echten Job haben, weil ich von Vorträgen und Reisen nicht leben konnte und hoffte, dass mir das Universum den perfekten Partner schickte und dachte mir gleichzeitig: Wer wird sich schon mit mir und meiner Verrücktheit abgeben wollen? Doch neun Tage später öffnete ich meine E-Mails und fand eine Nachricht von einem Österreicher, der mein Profil gesehen hatte. Seine Antwort auf meine Anzeige war Lichtjahre entfernt von dem meisten Müll, den man auf solchen Seiten bekommt. Er war witzig, rücksichtsvoll, authentisch. Wir verabredeten uns für ein Date. «Was ist das Schlimmste, was passieren kann?», dachte ich mir. 24 Stunden später kam ich mit einem Schlüsselbund aus seiner Wohnung – im Grunde bin ich an dem Tag eingezogen. Er meinte: «Lass uns das machen.» Und ich sagte: «Weißt du was? Ja, lass es uns machen.» Beim zweiten Date erklärte er mir, was er sich von einer devoten Partnerin oder einer einvernehmlichen Herr-Sklavin-Beziehung wünscht. Er würde sich um mich kümmern, Verantwortung für mich übernehmen, für eine Krankenversicherung sorgen, mir überhaupt ein sicheres Leben bieten: «Das ist meine Verantwortung dir gegenüber, wenn du dich mir hingibst.» Es kam offensichtlich von Herzen. Ich hatte genug Erfahrung, um zu spüren, dass dies ein Mensch von ungewöhnlicher spiritueller Tiefe ist. Mein Bauchgefühl lag goldrichtig am 21. Dezember 2013, beim ersten Date. Und hier sind wir nun. 

Die Wurzeln von «Hyena»

Er wusste, dass ich Geschichten erzähle. Wir waren schon ein Jahr lang zusammen, als er mich bat, ihm etwas von meiner Arbeit zu zeigen. Und mir wurde klar, dass mir gar nicht in den Sinn gekommen war, dass er mich noch nie auftreten gesehen hatte, weil ich damals ja nirgendwo vor Ort gearbeitet habe. Außerdem waren wir so viel unterwegs, weil er noch an der Universität in Graz arbeitete, und so flogen wir quasi an zwei Wochenenden im Monat nach Wien und fuhren dann weiter nach Graz, damit er unterrichten konnte. Ich war nie länger als vier Wochen am selben Ort. Also schickte ich ihm eine Aufnahme meiner ersten Storytelling-Aufführung von «Hyena», die ich beim National Public Radio gemacht hatte. Ich saß im Wohnzimmer, er war in seinem Büro. Dann kam er heraus, ihm liefen Tränen über das Gesicht, und er sagte: «Ich hatte keine Ahnung.» Er hatte sich gefürchtet, dass ich womöglich nicht gut wäre. Doch das Gegenteil war der Fall. Doch nicht nur das: Er hat sofort Musik gehört in seinem Kopf und gesagt: «Wir müssen etwas daraus machen.» Wir haben damit Neuland betreten. Als er mich fragte, wie lange ich sprechen könne, meinte ich: «Solange du willst». Das war der Anfang und der Ausgangspunkt für «Hyena I» im Jahr 2016. Und heute, zehn Jahre später, haben wir die Uraufführungen von «Hyena II» und «Hyena III». Wow!

Mollena Lee Williams-Haas
(Kürzung & Übersetzung: Markus Hennerfeind)

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