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«Meet the artist» Petar Pejčić

Cellist Petar Pejčić über sein Debüt in Grafenegg

Published: 23 January 2026

Fünf (oder mehr) Fragen an Petar Pejčić

Am 28. Februar 2026 feiert der aus Serbien stammende Cellist Petar Pejčić sein Debüt mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich in Grafenegg. Im Gespräch erzählt der 23-Jährige von seinen Anfängen und seinem Werdegang. Als Gewinner der ECHO Rising Stars 2026/27 wird er auf einigen der renommiertesten Bühnen Europas auftreten, darunter das Concertgebouw Amsterdam, die Elbphilharmonie Hamburg und der Palau de la Música Catalana in Barcelona. In Grafenegg stellt er sich mit Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester in C-Dur vor, das er zum ersten Mal mit 14 aufgeführt hat und das er besonders liebt. 

#1

Wie hat das Ganze angefangen mit dem Violoncello und mit Ihnen?

Ich komme aus einer Musikerfamilie. Meine Eltern sind Musiker, Papa ist Dirigent und Mutter unterrichtet Solfeggio. Sie hat als kleines Kind Cello gespielt, musste aber zum Klavier wechseln. Sie hat sich gewünscht, dass ihr Sohn oder ihre Tochter irgendwann einmal Cello spielt. Und ich war der Erste. (lacht) Und so habe ich mit vier Jahren angefangen, Cello zu spielen. 

Das war noch ein kleineres Cello, nehme ich an?

Ja, ich habe ein Foto, das war ein Achtelcello, so richtig mini. Ich habe das in den Kindergarten mitgebracht und Bücher auf den Boden hingelegt, um meine Füße darauf zu stellen, ich war ja so klein. Insofern war es eine ganz natürliche Wahl. Und Musik gab es immer bei uns zu Hause.

Wenn man so früh anfängt, wird das Instrument ein natürlicher Teil des Körpers, oder?

Auf jeden Fall! Und ich habe einen Partytrick: Meine linke Hand ist deutlich größer als meine rechte Hand. (lacht) Als Zwölfjähriger habe ich wirklich sehr viel geübt, bis acht oder zehn Stunden am Tag, wodurch sich mein Körper – glaube ich – entsprechend entwickelt hat.

Auf YouTube gibt es eine großartige Aufführung der Humoreske op. 5 von Mstislav Rostropowitsch mit Ihnen.

Ich wusste nicht, dass Rostropowitsch komponiert hat …

Er hat die Humoreske für seinen Professor komponiert. Angeblich hat Rostropowitsch das Stück an einem einzigen Abend geschrieben, geübt und dann am nächsten Morgen seinem Professor zum Geburtstag vorgespielt. Ob diese Geschichte wirklich stimmt, weiß ich nicht, aber es ist ein tolles Werk und für uns Cellisten zu einem festen Bestandteil des Repertoires geworden – ein sehr virtuoses Stück. 

#2

Wann haben Sie gewusst, dass die Musik einmal Ihr Leben bestimmen wird?

Mit zehn oder elf Jahren war mir bewusst, dass ich das Cello professionell machen möchte, also recht früh. Wir mussten damals als Familie eine Entscheidung treffen, denn wir lebten in Belgrad, der Hauptstadt Serbiens. Die beste Cellolehrerin des Landes wohnte jedoch in Novi Sad, und das ist etwa eineinhalb Stunden entfernt. Diese Strecke jede Woche einmal hin- und herzufahren, das war auch für meine Eltern eine Herausforderung. Dann hatten wir ein Gespräch, und meine Eltern meinten: «Du musst dich entscheiden, ob es dich wirklich interessiert, oder ob du irgendwas anderes machen willst.» Und ich? «Cello, definitiv!» Und so ist es auch geblieben. Ich bin jahrelang Woche für Woche nach Novi Sad gereist, um diese wunderbaren Stunden mit meiner Lehrerin zu haben. Und mit 15 bin ich dann nach Deutschland umgezogen, um zu studieren.

Und in Deutschland sind sie jetzt immer noch?

Ich bin immer noch in Deutschland, seit knapp acht Jahren. Ich habe mit Professor Peter Bruns in Leipzig angefangen. Und jetzt studiere ich in meinem dritten Studienjahr an der Kronberg Academy in der Klasse von Frans Helmerson. 

#3

Sie spielen bei Ihrem Debüt in Grafenegg das C-Dur-Cellokonzert von Joseph Haydn.

Man wird von diesem Stück keine Einspielungen von den alten Cellisten wie Pablo Casals oder Emanuel Feuermann hören …

Ja, das Konzert ist erst ziemlich spät entdeckt worden, Anfang der 1960er Jahre. Es ist interessant mit Haydn in Hinblick auf die Aufnahmen und die Aufführungspraxis. Wie sollte man das heute spielen? Wir verwenden Stahlsaiten. Aber das ist überhaupt nicht, wie es Haydn gedacht hat. Trotzdem müssen wir es übersetzen in die moderne Aufführungspraxis. Und ja, ich liebe beide Haydn-Cellokonzerte, das in C-Dur und das zweite in D-Dur, sie sind komplett unterschiedlich. Papa Haydn ist einer meiner Lieblingskomponisten, mit Abstand. Es macht mir immer große Freude, die Konzerte zu spielen.

Petar Pejčić
Petar Pejčić © Miro Kuzmanović
«Und ja, ich liebe beide Haydn-Cellokonzerte, das in C-Dur und das zweite in D-Dur, sie sind komplett unterschiedlich. Papa Haydn ist einer meiner Lieblingskomponisten, mit Abstand. Es macht mir immer große Freude, die Konzerte zu spielen.»
Petar Pejčić

Wissen Sie noch, wann Sie das C-Dur-Konzert kennengelernt haben?

Das C-Dur-Konzert deutlich früher als das in D-Dur. Das C-Dur-Konzert habe ich mit 14 Jahren zum ersten Mal mit Orchester gespielt. Das zweite dann etwas später. Sie sind auch technisch sehr unterschiedlich. Vielleicht kann man es so sagen: Das C-Dur-Konzert ist ein ideales Werk für jüngere Cellisten. Was Haydn mit relativ simplen Harmonien alles geschafft hat, ist erstaunlich. 

Es gibt dieses eine einprägsame Hauptthema, alles andere sind eigentlich kleine Motive, die ständig abwechseln.

Ja, er macht sehr viel aus wenig Material, und genau das finde ich bei Haydn so unglaublich. Kein Wunder, dass er viele Komponisten inspiriert hat und so eine wichtige Rolle in der westlichen Klassik spielt. Er war ein Meister, und man hört in seiner Musik seinen Charakter. Er war ein witziger Mann mit viel Humor, sehr großzügig, hat vielen Komponisten seiner Zeit geholfen. Daher auch der Beiname «Papa Haydn». Und das hört man alles in seiner Musik. Seine Streichquartette zählen zu meinen Lieblingswerken der klassischen Musik. Es ist so viel drin, so vielfältig, wunderschön. 

«Er war ein Meister, und man hört in seiner Musik seinen Charakter. Er war ein witziger Mann mit viel Humor, sehr großzügig, hat vielen Komponisten seiner Zeit geholfen. Daher auch der Beiname «Papa Haydn». Und das hört man alles in seiner Musik.»
Petar Pejčić

Und es gibt so viele Streichquartette von ihm, dass man das ganze Leben lang immer was Neues hat.

Genau! Also vielleicht ist das jetzt etwas kontrovers, aber mit Haydn ist es nicht so wie mit Mozart. Mozart hatte Momente von absolutem Genie. Und dann hat er wieder Werke geschrieben, um einfach die Miete zu zahlen. Haydn war ein wirklich disziplinierter Komponist. Jedes Stück von Haydn, das ich studiert oder gespielt habe, hat eine gewisse Qualität, und man erkennt seine kompositorische Sprache in jedem Werk. Es entwickelt sich auch mit der Zeit, von seinen frühen bis zu den späteren Werken. Ich bin von ihm sehr überzeugt. 

Der Cellist Mischa Maisky hat in einem Interview erzählt, wenn er das C-Dur-Konzert von Haydn spielt, fühlt er sich wieder jung, wie mit Mitte 20.

Und Joseph Franz Weigl, für den es Haydn irgendwann zwischen 1760 und 1765 komponiert hat, war damals ungefähr so alt wie Sie jetzt.

Ist es das beste Alter für dieses Konzert?

Das kann gut sein, vielleicht sind es auch die Emotionen, die darin stecken. Es ist fröhlich und sehr neugierig. Und ich glaube, Neugier definiert mein Alter, mit Anfang/Mitte 20 gibt es noch viel zu lernen und zu entdecken. Ich habe ja, wie vorhin erwähnt, früh angefangen, das Werk zu spielen, mit 14, und da hat man im Grunde noch kaum keine Ahnung. Aber jetzt? Mittlerweile ein bisschen mehr. Diese Neugier spüre ich stark bei diesem Werk.

Das Orchester ist nur klein besetzt mit zwei Oboen, zwei Hörnern und Streichern. Manche dirigieren auch selbst vom Violoncello aus.

Machen Sie das auch gerne?

Ja, ich habe das schon öfter gemacht, aber nicht das Haydn-Konzert. Allerdings: Ich mag Dirigenten. Es ist schön, eine Person zu haben, die unter anderem dabei hilft, das Ganze zusammenzuhalten. Ich spiele auch gerne die Orchestereinführung mit den Orchestercelli mit, weil es sich so natürlich anfühlt. Und ich glaube, Haydn hat das auch so vorgesehen, dass alles miteinander fließt und der Solist auch ein Teil des Ensembles ist. Und so stelle ich mir das auch vor.

Stimmt es, dass dieses Konzert viel schwieriger ist, als es klingt? Vor allem das Finale?

Ich finde es schade, dieses Finale absurd schnell zu spielen. Es ist so tolle Musik, ein virtuoser Satz, aber sicher kein Showpiece! Und was Haydn gerade in diesem Satz harmonisch gemacht hat, ist großartig. In zu hohem Tempo geht vieles verloren. Haydn hat die Tempi sehr genau beschrieben, und es ist kein Prestissimo. Ich glaube, musikalisch – von der Form und Struktur her – ist das C-Dur-Konzert schwieriger, als man denkt. Es klingt so neugierig, so frisch, so jung. Es wirkt von außen ganz simpel. Aber wenn man drin ist und die Partitur studiert, gibt es vieles zu entdecken.

Petar Pejčić
Petar Pejčić © Clara Evens
#4

Live oder Studio? Macht es einen Unterschied für Sie, ob da 500 oder 1000 Leute im Publikum sitzen oder niemand? Ändert sich das Musizieren?

Es macht schon einen Unterschied, aber ich würde sagen, im positiven Sinne. Ich liebe Druck. Und je wichtiger ein Konzert ist oder je mehr Publikum es gibt, desto angespannter bin ich auch. Ich werde jetzt in den nächsten zwei, drei Jahren mehr und mehr Aufnahmen machen. Und dieser Unterschied wird im Studio, ohne Publikum, sehr interessant sein. Ich liebe es, für andere Menschen zu spielen. Ich finde diesen Moment und diesen Energieaustausch sehr besonders, einzigartig. 

#5

Haben Sie schon öfter in Österreich gespielt?

Ich habe in Graz mit dem Styriarte Festspiel-Orchester gespielt. Wir haben im Stefaniensaal mehrere Konzerte gegeben, die «Rokoko-Variationen» von Tschaikowski und das erste Cellokonzert von Camille Saint-Saëns. In Grafenegg werde ich jetzt zum ersten Mal spielen, das ist natürlich eine große Ehre für mich. Ich habe viel von diesem wunderbaren Ort und dem Sommerfestival gehört und bin sehr froh, in Grafenegg mit dem Haydn-Cellokonzert zu debütieren.

Es ist das erste Mal mit dem Tonkünstler-Orchester und mit Jascha von der Goltz, richtig?

Ganz genau, wir werden uns für dieses Projekt alle zum ersten Mal kennenlernen. Neuer Dirigent, neues Orchester, neuer Spielort, alles neu! Dieses Orchester macht viele Projekte mit jungen Künstlern. Ich finde das wunderbar, bin sehr dankbar für diese Gelegenheit und freue mich sehr auf das gemeinsame Musizieren.

Petar Pejčić
Petar Pejčić © Clara Evens

Das Interview führte Markus Hennerfeind.

    Petar Pejčić
    Saturday-Subscription Schnupperabo Grafenegg presents Season Sounds Green Event
    28/02/2026 Sa
    18.30

    Haydn & Brahms

    Tonkunstler Orchestra · Petar Pejčić · Jascha von der Goltz

    HAYDN / BRAHMS

    Grafenegg Auditorium Auditorium
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