«Meet the artist» Misha Mullov-Abbado
Künstler:innenportraitVeröffentlicht: 19/08/2026
Mit ihrer einzigartigen Verbindung aus zeitgenössischem Jazz, eingängigen Melodien und großer improvisatorischer Freiheit zählt die Misha Mullov-Abbado Group zu den spannendsten Formationen der britischen Jazzszene. Am 28. August ist das Ensemble bei der Late Night Session in Grafenegg zu erleben und verspricht einen Konzertabend voller musikalischer Raffinesse, Spielfreude und spontaner Interaktion.
Lernen Sie Bandleader, Komponist und Bassist Misha Mullov-Abbado bereits vorab näher kennen: In unserem Interview spricht er über die Entstehung seines Albums «Effra», die besondere Dynamik innerhalb seiner Band und darüber, worauf sich das Publikum bei seinem Auftritt in Grafenegg besonders freuen darf.
Misha Mullov-Abbado
Die Misha Mullov-Abbado Group hat sich vor über einem Jahrzehnt während Ihrer Studienzeit kennengelernt und spielen seither in unterschiedlichen Konstellationen zusammen.
Wie hat sich Ihre gemeinsame musikalische Sprache über die Jahre entwickelt, und was macht Ihr Zusammenspiel heute besonders?Auf jeden Fall. Es hat sich im Laufe der vielen Jahre, in denen ich mit jedem einzelnen Musiker sowohl individuell als auch in der Gruppe zusammengespielt habe, enorm weiterentwickelt. Bei einigen der Musiker (insbesondere meinen Kollegen in der Rhythmusgruppe) geht diese gemeinsame Sprache so weit, dass wir beim Improvisieren oft vorhersehen können, was der andere als Nächstes tun wird (selbst dann, wenn wir beispielsweise ein Saxophonsolo begleiten). Und auch in der Bläsersektion hat sich der gemeinsame Klang der drei beim gleichzeitigen Improvisieren weiterentwickelt, da sie genau das richtige Maß an Raum füreinander lassen.
Ihre Musik verbindet Einflüsse aus Jazz, Klassik, Pop und internationalen Folktraditionen von Bach bis Samba.
Wie entsteht aus dieser stilistischen Vielfalt ein kohärenter Bandsound?Ich denke, der kohärente Bandsound entsteht aus einer Mischung meines Kompositionsstils (der, wie ich glaube, alle unterschiedlichen Einflüsse übergreift), aber auch aus dem Beitrag, den die Musiker selbst zum Bandsound leisten, insbesondere angesichts des hohen Anteils an Improvisation.
Als Bassist und Bandleader prägen Sie den Klang der Gruppe maßgeblich.
Welche Rolle spielt der Bass in Ihren Arrangements?Das ist eine gute Frage. Im Allgemeinen beeinflusst der Bass das Komponieren der Musik nicht besonders stark. Ich schreibe meist am Klavier, und was der Bass letztlich spielt, ist etwas, das ich erst im Nachhinein entscheide (z.B. die Melodie allein oder gemeinsam mit einem anderen Instrument zu spielen, die Grundtöne der Akkorde zu spielen oder im Swing eine Walking-Bass-Linie zu spielen).
Es gibt jedoch einige Stücke aus den vergangenen Jahren, bei denen ich wesentliche Teile der Musik tatsächlich am Bass geschrieben habe; die besten Beispiele, die mir spontan einfallen, sind die Basslinien von «Circle Song» und «Nanban». In diesen Fällen sind die Basslinien ein fester Bestandteil der Komposition und nicht lediglich Teil des Arrangements.
Mit Ihrem aktuellen Album «Effra» setzen Sie Ihre künstlerische Entwicklung fort.
Welche neuen Ideen oder klanglichen Richtungen haben Sie auf diesem Album besonders verfolgt?Ich weiß nicht wirklich, wie ich das in Bezug auf die musikalische Ausrichtung beantworten soll, außer zu sagen, dass die Musik auf «Effra» den Stand meiner harmonischen Sprache und meiner Einflüsse während dieser Phase meines musikalischen Schaffens widerspiegelt. Es war also weniger eine bewusste Entscheidung, vielmehr gibt es einige Elemente, die auf vielen Titeln des Albums auftauchen und einfach das widerspiegeln, womit ich mich zum Zeitpunkt des Komponierens intensiv beschäftigt habe.
Ein gemeinsamer Nenner, der mir einfällt, sind wiederholte Töne und sich darunter bewegende Harmonien (in einer minimalistischen Art), die auf «Traintracker», «Rose» und «Nanban» zu hören sind. Abseits der Musik gibt es jedoch ein starkes verbindendes Thema: meine Heimat Brixton im Süden Londons sowie meine Familie, die sich in vielen der Titel des Albums wiederfinden.
Late Night Sessions in Grafenegg haben eine besondere, intime Atmosphäre.
Worauf dürfen sich die Besucher:innen in Grafenegg besonders freuen?Die Besucher:innen können sich auf eine gelungene Mischung aus sehr präzise gespielter und gut vorbereiteter Musik (manchmal mit einem hohen Maß an Komplexität) freuen, die dennoch die entspannte Atmosphäre eines Jazzkonzerts bewahrt. Wir sprechen oft darüber, was wir gespielt haben und was wir als Nächstes spielen werden, und die Besucher:innen werden erleben, wie viel wir während des Auftritts miteinander kommunizieren, da es viele offene Passagen gibt, deren Verlauf wir nicht im Voraus festlegen.
Misha Mullov-Abbado's Selection
Bayreuther Festspielorchester
Pablo Heras-CasadoBayreuther Festspielorchester · Pablo Heras-Casado · Miina-Liisa Värelä · Andreas Schager · Jordan Shanahan · Georg Zeppenfeld
WAGNER